Asteya (in den Klassen bis zum 2. Mai)

Im ersten Moment klingt das dritte der fünf Yamas sehr einfach: nicht stehlen!

Doch irgendwie sind wir alle ununterbrochen „kleine“ Diebe. Wenn man genau hinschaut sind wir selbst häufig die Opfer unserer eigenen Aktionen. Wie oft stehlen wir uns die tiefe Erfahrung, die wir machen könnten, wenn wir uns mehr Zeit ließen. Wie oft stehlen wir Zeit. Uns selbst und Anderen durch endloses Gerede, Ausschweifungen, etc.
Dann hören wir oft nicht zu. Können nicht zuhören. Und… wir stehlen uns einen Moment der Erkenntnis. Einen Moment der tieferen Verbindung mit einer anderen Person. Die Erfahrungsmöglichkeit aus der Sicht des Anderen selbst zu lernen.

In unserer Praxis auf der Matte sind wir immer noch zu oft von der Idee getrieben, wie eine Stellung aussehen soll, wie sie der/die Andere ausführt und vergleichen uns ununterbrochen. Oft führt das zur Behauptung, dass wir selbst wohl nie an diesen Punkt gelangen werden. — Und wir stehlen uns so die Chance zur eigenen tiefen Erfahrung. Die Möglichkeit der Wahrnehmung unserer inneren Öffnung, der Zusammenhänge, die so fein sind, dass sie mehr Zeit brauchen. Die kleinen Momente des Glücks in der eigenen Praxis, wo sich für einen kurzen Zeitraum alles so gut und weich anfühlt, etc. Der Moment in dem alles leicht ist und irgendwie richtig.

Dann sind wir alle Fans von Konzepten, die fein säuberlich ausgedacht und geplant werden.
Ja nicht abweichen, nicht verändern. Ergebnis: das Glück im Neuen, in der Veränderung kann uns so nicht weiterbringen.

Nicht stehlen setzt so indirekt Selbstfreundschaft voraus: sich Raum geben, nicht so festgelegt zu sein, großzügig zu sich selbst und anderen.

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