Wie aus dem Fahrrad ein Düsenjet wird

Anfang 2007 sprachen Deepak Chopra und der Gründer von EnlightenNext Andrew Cohen auf einer von der Alliance for a New Humanity gesponserten Veranstaltung in New York City. Die beiden bekannten spirituellen Lehrer führten anschließend einen inspirierenden Dialog über das Wesen und den Sinn der menschlichen Kreativität.

Hier ein Auszug dieses Gesprächs vor dem Hintergrund von Asteya:

Deepak Chopra: Die Alliance for a New Humanity kam folgendermaßen zustande: Vor einer Weile sprach ich mit einer Evolutionsbiologin. Sie sagte mir, dass einer der Vorgänge, die in der Biologie oft beobachtet werden, als Metamorphose bezeichnet wird – z. B. wenn eine Raupe zu einem Schmetterling wird. Es ist ein Quantensprung von Kreativität unter biologischen Bedingungen. Der Mechanismus dieses Vorgangs besteht darin, dass die Raupe auf einer gewissen Stufe ihrer Entwicklung beginnt zu viel zu konsumieren, sie konsumiert mehr, als ihr Stoffwechsel benötigt. An diesem Punkt beginnt der Körper der Raupe abzusterben, aber innerhalb des Körpers der Raupe befinden sich ein paar Zellen, welche die Biologen als imaginative Zellen (oder Imaginalscheiben) bezeichnen. Diese imaginativen Zellen sammeln sich in kleinen Gruppen. Immunzellen greifen diese imaginativen Zellen an, aber aus irgendeinem Grund reagieren diese nicht darauf. Sie befinden sich in einem Zustand von unvoreingenommener Wahrnehmung oder vielleicht Imagination. Wir wissen es nicht. Aber sie bleiben unbeschadet und nach einer Weile geben die Immunzellen schließlich auf. Und daraufhin sammeln sich die imaginativen Zellen ganz natürlich in etwas größeren Gruppen und diese verbinden sich miteinander. Sie nutzen den absterbenden Kadaver der Raupe als Nährstoffsuppe, sie wird zum Nährboden in dem sie heranwachsen. Eines Tages dann scheint es, als ob die Verbindung der Gruppen von imaginativen Zellen eine kritische Masse erreicht oder eine Toleranzschwelle überschreitet. Nun erwacht ein bisher schlafendes Gen. Dieses enthält den Informationscode für einen Schmetterling und schon bald entsteht ein Schmetterling. Die Biologin, die mir das erklärte, sagte: „Das ist so, als hättest du dein Fahrrad zur Reparatur gebracht, und als du es wieder abholen willst, wartet dort ein Düsenjet auf dich. Und der Typ sagt, das sei das gleiche Ding, das du eine Woche vorher dort abgegeben hast. Es hat sich transformiert.“ Das wollte ich euch erzählen, ich wollte diese Metapher mit euch teilen, denn ich glaube, wir sind eine Gruppe von imaginativen Zellen, von kreativen Zellen. Und so wie hier gibt es jetzt überall Gruppen, und der nächste Schritt besteht darin, diese Gruppen miteinander zu verbinden. An diesem Punkt stehen wir jetzt.
Andrew Cohen: Wir müssen erkennen, dass es keinen mystischen Gott da draußen gibt, der sich um uns kümmert, dass es niemanden dort draußen gibt, der uns helfen wird. Es gibt in der manifesten oder nicht manifesten Dimension keine höhere Bruderschaft und keinen weisen Orden, die die fertigen Antworten haben. Wir bewegen uns wirklich auf Neuland. Es liegt wirklich an uns, die Zukunft gemeinsam zu gestalten und das Wichtige heute ist, dass wir einen Weg finden müssen, um zusammenzukommen, denn allein können wir das nicht schaffen. Wir können nur erfolgreich sein, wenn wir in einem Geist von kreativer Reibung zusammenkommen. Ich bezeichne das als eine sehr positive Art von kreativer Reibung. Denn der kreative Prozess ist positiv und wird nur durch kreative Reibung möglich. Das Universum wurde nicht erschaffen, indem Gott ‚Om’ sagte, die Entstehung des Universums war kein Ausdruck von Frieden, es war ein Ausdruck von tiefer Kreativität, und in diesem Werden ist etwas Aufregendes und die grundlegende Erfahrung von Ekstase und Freude. Auf ähnliche Weise müssen wir einen Weg finden, um zusammenzukommen, damit wir diese Reibung erzeugen können. Das bedeutet, wir müssen nicht immer in allem übereinstimmen, wir müssen zusammenkommen und uns aneinander reiben und zwar mit dem höchsten und grundlegendsten Teil unserer selbst. Dann wird ein neues Potenzial entstehen. Ich denke, die Metapher vom Schmetterling bedeutet, dass wir wirklich so zusammenkommen, dass die neuen Potenziale durch uns individuell und kollektiv entstehen. Aber damit das geschehen kann, müssen wir alle den Raum für Potenziale öffnen, die sich noch nicht herausgebildet haben. Wir müssen einsehen, dass die letztendliche Antwort, die ultimative Lösung noch nicht gefunden worden ist. Wenn wir in diesem mutigen Streben zusammenkommen, bedeutet das auch, dass es nicht so laufen wird, wie wir es möchten, noch wird so laufen, wie wir es uns vorstellen. Es ist nicht möglich sich vorzustellen, was die Zukunft bringen wird. Und ich bin sicher, ihr alle habt beobachtet, dass die wichtigsten und außergewöhnlichsten Dinge, die in eurem Leben geschehen sind, solche sind, die ihr euch nie im Voraus hättet vorstellen können. Es gibt ein gewisses Gespür des Nicht-Wissens, eine Art reife Unschuld und eine kreative Verpflichtung, die jeder von uns mitbringen muss, damit wir uns wirklich kreativ aneinander reiben können.

Die Möglichkeiten in sich selbst erkennen. Die Freiheit in sich selbst suchen. Das geht nur, wenn wir uns nicht selbst bestehlen, uns selbst schmaler, kleiner machen als wir sind.

Ein Kommentar zu “Wie aus dem Fahrrad ein Düsenjet wird”

  1. Doris Kawka

    Schöne, inspirierende Worte und ich muß dabei so an Nelson Mandela’s Worte von 1994 denken.

    ‘Unsere größte Angst ist nicht unfähig zu sein, unsere größte Angst ist, dass wir grenzenlos fähig sind. Es ist unser Licht, dass uns am meisten Angst macht und nicht unsere Dunkelheit.
    Wir fragen uns, warum sollte gerade ich strahlend, prächtig, talentiert oder besonders sein? Aber in Wirklichkeit sind wir genau das.
    Wir sind Kinder Gottes. Und sich herunter zu spielen dient der Welt nicht. Es ist kein Zeichen von Erleuchtung, sich selbst klein zu machen, nur damit sich andere Menschen in unserer Umgebung nicht unsicher fühlen.
    Wir sind geboren, um die Herrlichkeit Gottes zu leben, die in uns ist. Je mehr wir unser eigenes Licht strahlen lassen, desto mehr geben wir unbewußt anderen Menschen die Erlaubnis dasselbe zu tun.
    Wenn wir uns von der eigenen Angst befreit haben, befreit unsere Anwesenheit automatisch auch alle anderen.’

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